In diesem Jahr fanden gleich zwei Ostertouren statt. Die einen am Allier etwas lässiger (Bericht folgt), die anderen auf der Suche nach frisch geschmolzenem Wildwasser in den Nordalpen.

Die Wahl der Paddelrevierte gestaltete sich schwierig, zumal die typischen Osterreviere im Süden mangels Schnee trocken waren. Die Nordalpen auf der anderen Seite hatten viel Schnee, doch war es im Vorfeld der Tour so kalt, dass kaum Schmelzwasser runter kam. Dennoch entschieden wir (nach langem Hin und Her 12 Stunden vor der geplanten Abfahrt), uns im Salzburger Land auf die Suche nach Wasser zu begeben. Wir sollten nicht enttäuscht werden.

Die erste Delegation (Ute, Ronja, Tobias und Chris) machte sich am Vormittag des 15.04. auf den Weg in Richtung Abtenau im Lammertal, Max und Julia folgten am selben Nachmittag, während Rob noch seinen Dachträger suchte und schließlich abends mit Ed und nächtlichem Zwischenstopp bei Dominik folgte. Unser erstes Camp war der kleine, malerisch gelegene und gut ausgestattete Campingplatz Oberwötzlhof. Dieser liegt abseits vom Fluss etwa auf halber Strecke der oberen Lammer, kurz unterhalb der touristischen Ortschaft Abtenau, die Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants bereithält.

Standort 1: Salzburgerland

Basecamp: Vitalcamping Oberwötzlhof bei Abtenau

16. April 2019 - Obere Lammer

  • Abschnitt: Obere Annabergklamm bis Voglau-Klamm
  • Paddeldauer: 03:12
  • Paddelstrecke: 18,2 km
  • Wasserstand: Ca. 150 cm (Mittelwasser)
  • Teilnehmerzahl: 6
  • Vereinskilometer: 109,2

Dienstag, 16.04., erster Paddeltag: Obere Lammer von der Annabergklamm bis vor die Voglauklamm. Die Lammer hatte genug Wasser für eine Befahrung der engen und technischen Annabergklamm (WW3). Der größte Teil der engen, V-förmigen Annabergklamm konnte von der Straße aus besichtigt werden, was sich als sehr wichtig herausstellte, weil nach jeder Kurve ein Baum lauern konnte und die enge, V-förmige Klamm nur wenige kleine Kehrwasser zum Anlanden bereit hielt. Nachdem Max heroisch in Unterbuxe (kein Foto!) auf einem Baumverhau kletterte und eine Durchfahrt freisägte, wurde eingebootet. Die Klamm hatte es in sich: Schnelle Strömung, die eine oder andere Schrägwalze, nette Polster und sehr wenig Platz. Tolles Wildwasser, wenn auch ein recht schneller Einstieg für den ersten Tag.

Kritischer war das mittlere Stück der oberen Lammer ab der Holzbrücke unter der Leitenhaus-Straße. Hier gab es kaum interessantes Wildwasser, dafür umso mehr Bäume, die spät sichtbar waren und mühsam umtragen werden mussten. Der Autor war nicht dabei aber die Berichte variierten zwischen 4 und 10 Bäumen. Ed, Dominik und Rob kamen etwas zu spät an und hofften auf einen zweiten Run. Als die Gruppe nach 3 Stunden erst auf halber Strecke auftauchte und vom Baumslalom berichtete, war alllerdings klar, dass es keinen zweiten Run geben würde. Ute und Ronja booteten bei der sich im Neubau befindlichen Schornbrücke aus, während der Rest sich die letzten 8km Kiesbett (einige wenige, einfach zu befahrene Stufen, Schwälle und Blockwurfwehre) gönnte.

17. April 2019 - Obere Lammer

  • Abschnitt: Annabergklamm bis Leitenhaus-Brücke und Voglau-Klamm bis Ausstieg vor Lammeröfen
  • Paddeldauer: ???
  • Paddelstrecke: ca. 15 km
  • Wasserstand: Ca. 80cm Obergäu / 150cm Schwaighofbrücke (Mittelwasser)
  • Teilnehmerzahl: 9
  • Vereinkilometer: 135 km

Am zweiten Paddeltag wurde die Lammer nochmals befahren, allerdings nur die wildwassertechnisch lohnenswerten Abschnitte, d.h. die Annabergklamm bis zur Leitenhaus-Brücke und von dort bis kurz vor die Voglauklamm, die mit 75-80cm (Pegel Obergäu) einen guten Wasserstand (knapp Mittelwasser) aufwies. Nach kurzer Besichtigung der Klammeinfahrt und des größeren Schwalls in der Mitte der Klamm wurde diese von allen Booten (eines herrenlos, der dazugehörige Paddler rettete sich auf die Kiesbank vor der Klammeinfahrt und wartete geduldig) befahren. Die Klamm hatte es in sich: Die Wasserwucht nahm im Vergleich zur oberen Strecke deutlich zu. Nach jedem steilen Stück folgten fairerweise längere Fließstrecken ohne Gefälle, sodass immer Zeit war, sich zu sortieren. Bereits die Einfahrt war tricky: Entweder man nahm rechts alle mittelgroßen Walzen mit oder man wählte die linke Linie, die smooth begann und mit einem sehr saftigen Loch endete. Dominik entschied sich, links anzufahren und rechts rüberzuziehen, was Rob und Julia lemminghaft nachfuhren. Alle drei retteten sich in den Pool, wo sie rollen konnten. Ed sah die drei Roller und entschied sich dafür, geradeaus durchs Loch zu paddeln. Definitiv Action Line: Boot im Loch - Backflip - Loch im Boot. Der nennenswerte Schwall in der Mitte der Klamm zog in der vermeintlich einfachsten Linie (mitte rechts) voll auf einen magnetischen Felsen zu. Nachdem dieser für einige Kollisionen sorgte, wurde der Schwall von rechts nach links auf einer etwas nasseren aber steinfreien Linie befahren.

18. April 2019 - Mitterweissenbach

  • Paddeldauer: 1 Stunde und 5 Minuten
  • Paddelstrecke: 5,18 km
  • Wasserstand: Niedrigwasser
  • Teilnehmerzahl: 8
  • Vereinskilometer: 41 km

Spätestens am dritten Tag war von dem kalten Wetter keine Spur mehr zu sehen. Die Sonne brannte auf uns herab und ließ die Schneepolster auf den Bergen rasch schmelzen. Auf Empfehlung von Locals fuhren wir am dritten Tag zum Einstieg des unteren Mitterweißenbach. Leider hat dieser Bach keinen Onlinepegel und so kam es, dass wir nach 50 min Fahrt ein trockenes Bachbett fanden, was einige Leute dazu bewegte, ihr Unterschiff zu schonen und sich stattdessen Sonnenbrand auf dem Oberdeck zu holen. Die mutigen Paddler setzten unterhalb des spektakulären, eigentlich unfahrbaren Wehres ein und wurden bei knapp 150cm Pegel mit einem wunderschönen Bach belohnt, dem zugegebenermaßen an einigen Stellen der Bums fehlte und auch die eine oder andere Treidelpassage hatte. Wir vermuten, dass der Bach ab 170cm Pegel richtig lohnenswertes, technisch-verblocktes WW III bietet. Der Pegel ist etwas versteckt. Als weitere Referenz könnte man die Wehrkrone am Einstieg nehmen: Diese hat drei Stufen. Bei uns ronn das Wasser nur durch das Loch in der Mitte und über die erste Stufe. Sobald die zweite Stufe überspült ist, lohnt sich der Ritt auf dem unteren Mitterweißenbach.

Bilder
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19. April 2019 - Salzach

  • Abschnitt: Ende Kitzlochklamm Taxenbach bis Parkplatz B311 vor Schwarzach
  • Paddeldauer: 5 Stunden und 46 Minuten
  • Paddelstrecke: 16,3 km
  • Wasserstand: Ca. 150 cm (Mittelwasser)
  • Teilnehmerzahl: 9
  • Vereinskilometer: 146,7 km

An Karfreitag stand die Überfahrt nach Garmisch mit Paddelstopp auf der Salzach auf dem Programm. Als wasserreichster Fluss des Salzburger Landes kann die Salzach alles von dümpelnd bis wuchtig. Bei unserem Pegel anfangs eher dümpelnd, was aber gegen Ende hin besser wurde. In Taxenbach folgten wir bei der Tankstelle am Ortseingang der Straße runter zu einigen Parkplätzen am Ende der Kitzlochklamm, wo wir einbooteten. Damit sparten wir uns das unfahrbare Wehr bei Taxenbach. Nach einigen Kilometern warnten die ersten Schilder vor einem weiteren gefährlichen und unfahrbaren Wehr. Nach einem kleinen Schwall stiegen wir links aus und umtrugen das Wehr auf ca. 300m. Wir setzten direkt unterhalb der Gefällbremse ein. Es folgten drei weitere Gefällbremsen, die allesamt etwas holprig befahren werden konnten. Zwischen den lohnenswerten Abschnitten floss die Salzach eher gemütlich und industriell anmutend dahin, was dank Ball gut mit Polo-Einlagen überbrückt werden konnte. Erwähnenswert ist der Abschnitt beim Aluminiumwerk von Lend, wo leichte Verblockung und gutes Gefälle für viel Freude sorgten. Gegen Ende der Strecke wurden die interessanten Schwälle häufiger und die Zwischenstücke kürzer. Den Abend ließen wir mit Pizza und einer recht langen Überfahrt nach Garmisch ausklingen.

Bilder
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Standort 2: Garmisch-Partenkirchen

Basecamp: Naturcampingpark Isarhorn bei Mittenwald

20. April 2019 - Loisach (Befahrung 2 Mal)

  • Abschnitt: Griesenschlucht
  • Paddeldauer: 1 Stunde und 14 Minuten
  • Paddelstrecke: 5,4 km
  • Wasserstand: Niedrigwasser (unter 100 cm)
  • Teilnehmerzahl: 8
  • Vereinskilometer: 43,2

Neues Camp, neues Glück: Etwas desorientiert und in Zeitlupe starteten wir am Campingplatz Isarhorn in Mittenwald den zweiten Teil unserer Reise. Dieser Platz war weniger malerisch als der letzte, was vielleicht auch den Massen an Erholungssuchenden geschuldet war, die über Ostern ironischerweise den Menschenmengen der Stadt entfliehen wollten. Wir kamen nicht recht in die Puschen und konnten auch aufgrund zahlreicher Bergungen die wunderschöne Griesenschlucht der Loisach nur zwei Mal befahren. Die erste Hälfte bis kurz nach der Brücke verblockt-technisch, die zweite etwas wuchtiger aber immer ein fairer Slalom zwischen gut erkennbaren Blöcken. Bei unserem Wasserstand hatte die Chickenline rechts vor dem Dom kein Wasser, war aber nicht nötig, weil wenig Druck auf der Linie von links nach rechts parallel zum angespülten Fels war.

Bilder
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21. April 2019 - Rissbach

  • Abschnitt: ???
  • Paddeldauer: ???
  • Paddelstrecke: ???
  • Wasserstand: Ca. 125 cm (Mittelwasser)
  • Teilnehmerzahl: 7
  • Vereinskilometer: ???

Tobias und Chris verabschiedeten sich am Sonntagmorgen und die verbliebenen Paddler steuerten durch den Wald in Richtung Rißbach, der einen guten Mittelwasserstand hatte. Wunderschönes, kaltes Wasser, das zumeist im Kiesbett aber nie langweilig verlief. Ute, Dominik und Max fuhren das Straßen-S, welches von den anderen umtragen wurde. Die schrägen Rippen waren weitgehend überspült und wurden von den meisten links befahren. Ute versuchte beim zweiten Mal eine Linie ganz rechts, die bis kurz vor dem Ende sehr edel aussah aber dann in eine tiefe Walze führte. Abends wurden wir von Ute mit einem leckeren indischen Curry verwöhnt und der zweite Abschied folge: Ronja, Ute und Ed traten noch nachts den Heimweg an, um dem Rückreiseverkehr zu entgehen.

22. April 2019 - Loisach

  • Abschnitt: Griesenschlucht
  • Paddeldauer: 1 Stunde
  • Paddelstrecke: 5,4 km
  • Wasserstand: Niedrigwasser (unter 100 cm)
  • Teilnehmerzahl: 4
  • Vereinskilometer: 21,6 km

Julia, Dominik, Max und Rob paddelten am Ostermontag noch eine schnelle Runde auf der Loisach, bevor sie nach einem üppigen Buffet am Nachmittag in Richtung Heimat aufbrachen.

Zusammenfassend hatten wir wahnsinnig Glück mit Wetter und großteils auch mit dem Wasserstand. Durch die große Gruppe waren wir manchmal etwas träge auf dem Campingplatz, sodass meist nur ein Run möglich war. Dafür haben wir dennoch gut Flusskilometer gesammelt, viele persönliche Erstbefahrungen gemacht und auch die eine oder andere Komfortzone überwunden.